Nicht nur für Stop-Motion-Fans

kuboDie Laika Studios haben mit Kubo and the Two Strings einen weiteren tollen Stop-Motion-Animationfilm abgeliefert. Nach Coraline, ParaNorman und The Boxtrolls nun der vierte eigenständige Film in Folge. Ich hoffe wirklich, dass das Studio seiner Linie treu bleibt und in Zukunft keine Sequels produziert.

Mit Kubo begab sich das Studio in ein japanisch-mythologisches Setting und entfachte damit offensichtlich unglaublich viel Kreativität bei seinen Angestellten. Die Origami-Sequenz am Anfang gehört mit zu den schönsten Szenen, die ich in letzter Zeit im Kino gesehen habe. Technisch hebt der Film das Niveau des Genres erneut ein gutes Stück an, wobei es gelingt die realen Stop-Motion-Objekte gekonnt mit CGI-Effekten zu verbinden. Alles wirkt wie aus einem Guss. Das Design sämtlicher Figuren und Umgebungen ist über jeden Zweifel erhaben. Über weite Strecken kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und manche Szenen sind geradezu zum Weinen schön.

Auch die Handlung und das Charakterdesign haben einiges zu bieten. Leider kann die Story jedoch das überragende Niveau der ersten Hälfte nicht über den ganzen Film halten. Zum Ende hin werden einige Szenen etwas schnell abgehandelt und auch die eine oder andere Storywendung scheint nicht ganz so gelungen. Das Finale verfolgt eine bestimmte Idee, wird aber aus meiner Sicht dem Rest des Filmes nicht gerecht und bleibt hinter dem grandiosen Ende von ParaNorman weit zurück. Dennoch bleibt beim Verlassen des Kinos einfach ein wohliges Gefühl, mal wieder einen richtig schönen Film gesehen zu haben, den man in jeder Szene die Leidenschaft ansieht, welche seine Schöpfer in ihre Arbeit einbringen.

Damit man meinen Geschmack besser einordnen kann, füge ich meinen Rezensionen immer eine Orientierungsliste bei:

Gut finde ich:                                                        Nicht gut finde ich:
Corpse Bride                                                        The Secret Life of Pets
Wallace & Gromit –
Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen            Ice Age
Mary and Max                                                        Hotel Transylvania
ParaNorman                                                          Madagascar

STAR WARS – THE FORCE RECYCLED

starwarsVIIUrsprünglich wollte ich mir nach Mission: Impossible III und Star Trek keinen Film von J.J. Abrams mehr anschauen. Die beiden Streifen hatten mich einfach zu sehr geärgert. Doch der offizielle Trailer und mein allgemeines Interesse am Star Wars Universum haben mich doch wieder ins Kino gelockt.

Ich war gut vorbereitet. Nach langer Star Wars Abstinenz hatte ich mir die drei alten Teile wieder angeschaut und war überrascht auf wie vielen Ebenen sie noch besstens funktionierten. Mir wurde auch schnell bewusst, weshalb ich damals Fan wurde: Die unglaubliche Kreativität, mit der diese Welt kreiert wurde.

Und was habe ich von The Force Awakens bekommen? Einen Film-Zombie, der aus den Überresten der alten Filme auferstanden ist. Einen Film den man so noch in tausend Variationen drehen könnte, weil er sich wie ein lahmes Remake von Star Wars – A New Hope anfühlt, einen Film der kein Gespür für Handlung und Logik hat, keinen Sinn für gute Dialoge, keinen für das richtige Maß an Humor und keinen für Drama und das wecken von Emotionen, einen Film ohne Seele.

Meine Kritik zielt hauptsächlich auf Drehbuch und Regie ab. Wie kann man nur so mutlos und uninspiriert Storyelemente teilweise sogar im Detail recyclen. Vieles wird einfach behauptet und muss akzeptiert werden, egal wie unlogisch es erscheint. Ständig hat man den Eindruck die erstbessten Ideen für die Lösung von Storyproblemen wurden akzeptiert. Es wirkt als hätte man nur ein verlängertes Wochenende Zeit gehabt, um die komplette Handlung zu schreiben. Und weil man gar keine Idee und die Hosen voll hatte, ist man auf Nummer sicher gegangen. Die Besucherzahlen geben dem Ganzen leider auch noch recht. Und ich habe dazu beigetragen! Argh! Die Regie von Abrams schafft es zudem nie für Spannung zu sorgen. Man weiß bis auf eine Ausnahme immer wie eine Szene endet und diese eine Ausnahme, welche ich natürlich nicht spoilern möchte, ist auch noch völlig emotionslos inszeniert.

Ok, der Look des Films war gut und die junge Schauspielerin Daisy Ridley (Schrottsammlerin Rey) ein echter Lichtblick. Daher kann man nur hoffen, dass die nachfolgenden Regisseure und Drehbuchautoren der Star Wars Reihe und vor allem Disney den Mut und die Inspiration haben etwas Lebendiges und Neues zu schaffen und keinen Baukastenfilm mit mieser Handlung, Logiklücken und Spannungsarmut, der es an keiner Stelle schafft große Emotionen zu wecken.

Jetzt habe ich mich gegen meine Absicht doch wiederholt, aber gerade dass scheint ja zu Star Wars: The Force Awakens zu passen.

Damit man meinen Geschmack besser einordnen kann, füge ich meinen Rezensionen immer eine Orientierungsliste bei:

Gut finde ich:                                        Schlecht finde ich:
Star Wars – A New Hope                        Star Trek
Star Wars – The Empire Strikes Back    Krieg der Welten
Star Wars – Return of the Jedi                Signs – Zeichen
Contact                                                    2001: Odyssee im Weltraum

Schön, dass es noch Filme wie Ex Machina gibt.

exmachina Dem Sci-Fi-Thriller gelang es mit einem vergleichsweise geringen Budget von ca. 13 Mio. Dollar mich völlig in seinen Bann zu ziehen. Ich mag Filme, die in einem begrenzten Raum spielen und über ein überschaubares Ensemble an Schauspielern verfügen. Das Einzige nennenswerte Set von Ex Machina ist eine kühn designte Villa, welche in die atemberaubende Natur Norwegens eingebettet wurde. Die drei Hauptdarsteller Domhnall Gleeson als Programmierer, Oscar Isaac als Technologie-Visionär und Alicia Vikander als Roboter Ava liefern eine beeindruckende Leistung ab. Besonders faszinierend war jedoch das bis ins Detail kontrollierte Spiel der Maschinenmensch-Actress Alicia. Das Regiedebüt von Alex Garland, der als Autor des Romans “The Beach” bekannt wurde und u.a. die Drehbücher zu “28 Days Later” und “Sunshine” schrieb, erzeugt eine spannende Atmosphäre, wartet mit intelligenten Dialogen auf, stellt Fragen, die einen über das Filmende hinaus beschäftigen und führt die Handlung zu einem harten, konsequenten Ende. Kleinere Logiklücken kann man verzeihen.

Wer sich für Science-Fiction mit starkem Bezug zur Realität begeistern kann und sich für das Thema künstliche Intelligenz interessiert, sollte sich diesen Film unbedingt anschauen. Ex Machina ist ein kleines Meisterwerk, welches meine Begeisterung für das Kino wach zu halten vermag.

Damit man meinen Geschmack besser einordnen kann, füge ich meiner Rezension zwei Listen zur Orientierung bei:

Gut finde ich:       Schlecht finde ich:
Gravity                    Signs – Zeichen
Contact                   Krieg der Welten
Matrix                      Source Code
Terminator 2           Star Trek
Her                          2001: Odyssee im Weltraum
Robot & Frank        eXistenZ

Baymax bleibt hinter meinen Erwartungen zurück

baymaxIch habe mir am Donnerstag mit meiner Freundin “Baymax – Riesiges Robowabohu” in 3D im Kino angeschaut. Im Original heißt der Film “Big Hero 6″ – da hat der deutsche Verleih mal wieder ganze Arbeit geleistet … Ich frage mich immer wie so etwas entschieden wird. Sitzen da 20 Leute in Anzügen an einem Konferenztisch und einer sagt:”Wir sind uns ja einig, dass Big Hero 6 scheiße klingt, aber ich hab eine Megaidee: Baymax – Riesiges Robowabohu!” Entweder haben dann die anderen 19 am Tisch nichts zu sagen oder sie finden die Idee alle auch prima. Aaaaaaah!

 

Zurück zum Kinobesuch: Angestachelt durch den Trailer war unsere Erwartungshaltung relativ hoch. Der sehr schöne Kurzfilm “Feast – Liebe geht durch den Magen” stimmte auf einen tollen Kinoabend ein. Aber um es vorweg zu nehmen: Wir wurden beide enttäuscht. Nicht auf ganzer Linie, aber wir gingen mit dem nervenzehrenden Gedanken nach Hause: “Wieso haben sie diesen genialen Gesundheitsroboter Baymax einer völlig öden Superheldenstory geopfert?!”

Vielleicht hätten wir wissen müssen, dass der Film auf einen Marvel Superheldcomic namens “Big Hero 6″ aus den späten 90er Jahren basiert. Die Trailer hatten aber nur den Jungen und seinen knuffigen Roboter in den Mittelpunkt gerückt, weshalb ich mich schon betrogen gefühlt habe, als der Film in der zweiten Hälfte durch Non-Stop-Action einer ganzen Superhelden-Crew absumpfte. Ein weiteres Problem sind die Mitglieder der Big Hero 6. Keiner von ihnen war mir sympathisch oder hatte einen Hauch von Tiefe. Sie waren komplett austauschbar. Zudem beleidigte die deutsche Sychronisation einer Figur meine Ohren mit einem furchtbaren Berliner Akzent. Selbst die Brandenburgerin neben mir rümpfte die Nase. Der liebenswerte Ballon-Roboter tritt im Laufe der Handlung immer mehr in den Hintergrund und verliert seinen Charme sobald er seinen roten Kampfanzug erhält. Logiklöcher klaffen auf und der Film kommt bis zum Schluss nicht mehr in die Spur.

Dabei hatte alles ganz toll angefangen: Man schließt Baymax sofort ins Herz und sein Design sowie die Animation sind schlicht genial und in einigen Szenen zum Brüllen komisch. Technisch kann man dem Film nichts vorwerfen. Unfassbar, was das Artdepartment an Designarbeit und Detailreichtum in den Film gepackt hat. Auch das 3D funktioniert prechtig. Dagegen macht es sich die Story an zu vielen Ecken viel zu leicht. Wenn der Junge im Handumdrehen Kampfanzüge entwickelt, zahlreiche Klischees bedient werden oder bestimmte Storywendungen gar keinen Sinn ergeben.

Am Ende handelt es sich mal wieder um einen Film der verpassten Möglichkeiten und die Erkenntnis macht sich breit, dass heutzutage nur noch wenige den Mut haben der Versuchung zu widerstehen ein Aktionfeuerwerk abzubrennen und einen Film von einer oder zwei skurrilen Figuren tragen zu lassen – in diesem Fall dem jungen Hiro und seinem Roboter.

Damit man meinen Geschmack besser einordnen kann, füge ich meiner Rezension zwei Listen zur Orientierung bei:

Gut finde ich:       Schlecht finde ich:
Toy Story 1-3          Große Haie – Kleine Fische
Wall-E                     Ice Age
The Incredibles       Die Eiskönigin
The Lego Movie      Madagascar
Robot & Frank        The Polar Express